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[ Inhalt ]Ausgabe #199 vom ..
Rubrik Neu erschienen

Friends Of Dean Martinez "A Place In The Sun"

Nicht-Rock-Musik in Zeitlupe
(CD; Knitting Factory)

Darüber haben sie alle geschrieben, die seit fünf Jahren die Musik von FODM charakterisieren wollten: dass sie nämlich aus Tucson, Arizona kommen, dass da nichts als Wüste drumherum ist, dass man die unglaubliche Hitze der Gegend in der unglaublichen Langsamkeit ihres Spielens wiederfindet. Gut. Kämen sie aus, sagen wir, Russland, dann würde sicher einer schreiben, wie sehr man die Einsamkeit der sibirischen Taiga und die vielfältigen musikalischen Schmelztiegeleien ihrer Heimat heraushören könnte. Bullshit.
FODM sind ganz früher mit Vic Chesnutt aufgetreten. Und bei Giant Sand haben sie auch gespielt, Howe Gelb lebt sozusagen nebenan. Ihren Bandnamen haben sie gewählt aus alter Verehrung für Dean Martin, den Crooner. Die Langsamkeit ist weniger ein Produkt der Umwelt, als der Versuch einer Antwort auf die Frage, wie man mit elektrischen, akustischen und elektronischen Instrumenten harmonischen Krach machen kann. Ob dabei nun klassische "Songs" herauskommen oder Versuchsanordnungen mit unterschiedlichen Sounds, ist nicht primär wichtig. Dass dem Hörer dabei Bilder von "Spaghetti-Western" oder "Pools in verlassenen Hotels" einfallen, soll halt sein. Mit Songtiteln wie "A Place In The Sun" oder "Broken Bell" schieben sie die Vorstellungskraft schon ein bisschen in diese Richtung, augenzwinkernd. Dann kommt Old Gershwin's "Summertime", gespielt mit einer verzerrten Steel-Guitar; das klingt jazziger und experimenteller als alle Lounge-Combos zuvor ihre Frontfrauen begleitet haben. Ein kleines Streichorchester, das verfremdet zu Loops mit allen möglichen Straßengeräuschen erklingt, erinnert entfernt an Klangexperimente von Lambchop. Der Vorteil einer Steel-Guitar sei, dass man darauf sehr stimmlich-melodiös spielen könne, aber man brauche sich nicht drum zu kümmern, was diese Stimme sage, meinte Bill Elm in einem Interview. Texte würden die Band beim Spielen zu sehr ablenken, sich auf die Melodien und Akkorde zu konzentrieren.
Und so passt die Band und diese Platte ganz gut zu Stimmungen, wenn man einfach nur abheben möchte zu einem unzerplapperten Flug in seine eigenen Lufträume und Melancholien. Und sie passt gut in das Konzept des Labels Knitting Factory, Musik zu finden und zu vervielfältigen, die einfach nur quer in die Gehörgänge 'reingeht. () [www: @@@@]



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