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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #201 vom 12.06.2000
Rubrik Live - Musik spüren

Richard Thompson, 27.5.2000, Ansbach

Kennt ihr den Unterschied zwischen Bob Dylan und Richard Thompson? Nun, eigentlich sollte das Review ganz anders beginnen, nämlich so: In unserer Ausgabe #182 wurde Richard Thompson dafür gerügt, dass er nie (bzw. sehr sehr selten) im deutschsprachigen Raum Konzerte gibt. Mr. Thompson laß die an und für sich sehr positiv gehaltene Rezension, dachte sich – Gosh! – That's right! – und begab sich (gemeinsam mit Danny "no relation" Thompson) daraufhin auch gleich nach Deutschland. Good Guy. Danke. Da war er also. Akustik-Gitarre und Kontrabass im Gepäck und spielte auf. Eine Station der Mini-Tour war Ansbach, also Nähe Erlangen, dem Hauptsitz der Redaktion. Nochmals danke. Das Publikum johlte, war demnach zufrieden und wollte ihn nach der letzten Zugabe nochmals auf die Bühne zurück holen. Bloß, es gelang nicht. Davor gab es (akustisch) seltener gespielte Songs wie "Wall Of Death", Standards wie "I Feel Good" und neues wie "Dry My Tears And Move On". Beide Thompsons sind Koryphäen auf ihren Instrumenten und du stehst da voller Bewunderung, wie der eine Thompson seine Gitarre würdig bearbeitet und welch Wunderdinge der andere Thompson an Bassläufen hervorholt. Der Perfektionismus lässt grüßen.
Bei Bob Dylan und seiner Band ist das ganz anders, obwohl auch er Nähe Erlangen aufspielte, nämlich in Regensburg. Aber er muss nie gescholten werden, er tourt ja ständig (selbst an seinem Geburtstag und dem Tag danach), wie es heißt "never ending". Er ist ziemlich weit vom Perfektionismus entfernt, oder andersrum: bei Dylan bedeutet dieses Wort Spontaneität. Die Spontaneität hat er perfekt im Griff. Das wiederum bedeutet, dass selbst beinahe täglich gespielte Songs wie "Tangled Up In Blue" oder "Like A Rolling Stone" im akustischen Erscheinungsbild von Konzert zu Konzert (oft in krasser Weise) variieren, also ständig erneuert werden. Da staunt nicht nur das p.t. Publikum, sondern auch Dylans Musikanten, wohin er uns alle (eben auch die Band) in seinen (und fremden) Songs führt.
Bei Thompson, um den Vergleich endlich zu vollziehen, ist die Bandbreite der Improvisation geringer. Und Songs wie "Shoot Out The Lights" oder "Dimming Of The Day" erfahren keine Neuarrangements und klingen wie ein Richard Thompson-Akustik-Set von vor z.B. zehn Jahren. Der fulminanteste Unterschied zwischen beiden Künstlern, also die Frage, weshalb Thompson nie (auch nur annähernd) einer ähnlichen Würdigung wie Dylan zuteil kommt, liegt vermutlich in den Texten, dies wurde dem Autor dieser Zeilen aufgrund der zeitlichen Nähe beider Konzerte bewusst. Dylan kannst du nicht fassen, selbst wenn er "To Make You Feel My Love" intoniert, bleibt so was ähnliches wie ein mystischer Schatten zwischen den Textzeilen hängen – und Thompson? Thompson singt über die Infrastruktur der Busse in Kleinstädten. Klar und deutlich. Oder: Thompson ist in all seinem grandiosen Schaffen antastbar, Dylan hingegen kommt einem Zen-Meister gleich – und die sind bekanntlich meistens unbegreifbar. [mh]


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