Hinweis: Ihr Browser unterstützt nicht alle grundlegenden Web-Standards, und deshalb sehen Sie diesen Hinweis und das Layout nur in Auszügen. Bitte verwenden Sie einen aktuelleren Browser.

Keine Anzeige
LogoSeit 1996: Aktuell und unabhängig!

[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #213 vom 11.09.2000
Rubrik Neu erschienen

Ytterbium "69"

Independent-Rock – alternative Lebenssituationen
(CD)

C. Auer von Welsbach stellte Ytterbium (Lanthanoide im Periodensystem der chemischen Elemente) 1907 unter dem Namen Aldebaranium dar. Nun, mit Musik hatte das damals nix zu tun, eher mit "seltene Erden". Aber jetzt. Konkret: 1995 entstand eine österreichische Rockband, die nicht "österreichisch" klingen möchte und "international" klingt. Lou Reed, auch so ein Musiker, betet eines immer wieder vor, nämlich: "You can't beat two guitars, bass, drums." Jetzt ist schon viel erklärt, obwohl wenig geschrieben über das Quartett Ytterbium aus Krems, Niederösterreich. Ytterbium könnten ja auch, wie deren musikalischen Eltern Sonic Youth, aus Bethel, Connecticut sein. Sie würden dann durch Europa touren und die Musikkritiker würden von einer neuen amerikanischen Alternative-Rockgruppe berichten, die in der Indie-Szene für Aufsehen sorgt. Und der Song "Myself", in dem ziemlich viel Musikgeschichte steckt, erhielte Airplay bei MTV oder VH-1. Oder der fulminante Einstiegssong "To The World", geeignet für jeden Highway. Musikkritiker hören ja so viel. Aber Krems, Niederösterreich? Möchtegern-Nirvana, Möchtegern-Foo Fighters, Möchtegern-The Smiths halt. Und das große Gejammer beginnt von wegen keine Identität, nur – aber nein... Nicht hier. Nicht jetzt. CD einlegen. Play loud. Entzückend die akustischen spontan eingespielten Momente (z.B. "Wavin'") als Bruchstücke dazwischen, der "Devil Song" wartet bereits, streckt seine Harmonien aus. Packt leider auch die Synth raus. Ich wiederhole im Namen Lou Reeds: "You can't beat two guitars, bass, drums." Die vier könnten H.Gersh, T.Lord, G.Puke, C.Randon (wie auch immer) heißen. Um der Internationalität zu entfliehen, verzichteten sie auf Künstlernamen und heißen also Helmut Garschall (voc, g), Thomas DeSordi (g), Gerhard Aigner (b), Christian Schlögl (dr, keyb). Der gerade, schnörkellose, ohne Umschweife dargebrachte Rock in "This Letter" könnte an XTC erinnern, wenn man dazu Lust hat, und kommt verdammt gut. Ebenso das folgende akustikale Kurzstück "69" und das (semi-)akustikale "Remark/Renton", das immer wieder die Elektrizität sucht und auch findet. Aufregend. Zum Wiederhören geeignet. Der Gesang bietet nur in seltenen Momenten übereifrigen Pathos, meistens kommt die Stimme einfach gut rockig daher. Gutes Handwerk. Amerikanisch, wenn man so will. 15 Songs, überwiegend, jedoch nicht ausschließlich, helle Momente für die österreichische Musikszene. Aber mal ehrlich: Wann gab es zum letzten Mal ein durchweg gelungenes Album von R.E.M.?
PS: Die CD ist über die Website zu beziehen. [mh: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


URL: http://schallplattenmann.de/a105689


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

http://schallplattenmann.de/artikel.html
Sprung zum Beginn der Seite

Suche im Archiv

Suche bei Amazon.de