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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #246 vom 04.06.2001
Rubrik Tipp der Woche

David Byrne "Look Into The Eyeball"

Gut, Besser, Byrne! – RockPopLatinJazz-Amalgam
(CD; Luaka Bop)

Jedesmal, wenn eine neue David Byrne-CD erscheint, wurstelt sich eine Erinnerung aus dem Jahr 1991 hervor. Da gab Byrne ein Interview anlässlich der Auflösung der Talking Heads und die Headline dazu lautete damals: "Wer braucht die Talking Heads?" Byrne selbst stellte damals die Frage und nach dem Erscheinen von "Rei Momo", dem ersten Solo-Album nach Auflösung des Quartetts, war die Sache klar: Niemand braucht die Talking Heads, denn es gibt ja David Byrne. Das Nachfolge-Album "Uh Oh" war ein klassisches Übergangsalbum, mit dem Blick nach vorne die alten Zeiten zitierend. Mit dem dritten – titellosen – Werk veröffentlichte er das Album, das die Talking Heads immer machen wollten, aber nie zustande brachten. Man musste sich fürchten vor dem, was danach kommen sollte, denn da legte er sich selbst etwas unwiderstehlich großartiges vor. Byrne ließ sich dann auch Zeit. 1997 kam "Feelings", das trotz der langen Wartezeit einen nicht ganz geglückten Eindruck hinterließ.
Aber jetzt! "I want to move people to dance and cry at the same time", sagt David Byrne, wenn er vom aktuellen Album erzählt. Die Idee zu "Look Into The Eyeball" entstand bereits 1998, als er eine Woche lang gemeinsam mit dem Balanescu Quartet die Knitting Factory, N.Y. bespielte. Er begab sich – Ideen müssen ja irgendwo reifen – in ein andalusisches Dorf, wie er sagt in "an ugly little town, and the wind blows incessantly. But I got a lot of musical ideas recorded." Mit dem Song "Desconocido soy" schrieb er nach langem Zögern und vielen Zweifeln auch zum ersten Mal einen Text in spanisch. Obwohl Byrne weitgehend auf Erklärungen der einzelnen Titel verzichtet, macht er bei einem Song doch die berühmte Ausnahme: "Wie der Titel 'The Revolution' schon sagt, glaube ich", so der Singer-/Songwriter, "dass eine wirkliche Revolution nur mit Hilfe von Verführung gewonnen werden kann. Nicht nur der Geist muss überwunden werden, sondern Körper und Sinne gleichermaßen. Und ich glaube, dass die Traurigkeit mancher Melodien von der Dynamik und Kontinuität der Grooves kontrapunktiert wird." Schön gesagt und noch schöner gespielt, "The Revolution" kommt als kleines Liedchen daher, kaum begonnen ist's auch schon zu Ende und doch entfaltet sich eine gewaltige Schönheit. Eine Schönheit, die sich durch das gesamte Album zieht. Byrne hat sich verändert. Waren früher seine Songs oft von quasi nervösen Zuckungen begleitet, breitet er nun eine angenehme Ruhe aus, orchestral begleitet, und doch nicht zuckersüß. "Look Into The Eyeball" ist ein würdiger Kontrapunkt zum schwarzen Album, das wahre Nachfolgealbum wenn man so will. Und mit "Everyone's In Love With You" zaubert er einmal mehr einen unwiderstehlich-lyrischen Abschlusssong aus seinem Köcher. Kurzum: Gut, Besser, Byrne! [mh: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a107060


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