Hinweis: Ihr Browser unterstützt nicht alle grundlegenden Web-Standards, und deshalb sehen Sie diesen Hinweis und das Layout nur in Auszügen. Bitte verwenden Sie einen aktuelleren Browser.

Keine Anzeige
LogoSeit 1996: Aktuell und unabhängig!

[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #463 vom 21.11.2005
Rubrik Neu erschienen

Baby Shambles "Down In Albion"

Brit-Punk – Musikgeschichte klingt hier, als wäre sie zwischen Klo und WG-Küchentisch geschrieben
(CD, LP; EMI)

Baby Shambles, das ist die neue Band von The Libertines-Sänger Pete Doherty. Genau, der Freund von Kate Moss. Die im übrigen auf dem ersten Song dieses Debüt-Albums auch als Sängerin in Erscheinung tritt. Und im Booklet auch mal lediglich mit Soccer-Shirt bekleidet abgebildet ist (musste wohl sein). Nun aber weg vom Laubenpieper-Feuilleton und hin zu den harten Fakten.
Die Singles "Fuck Forever" und "Killamangiro" haben schon ihre Spuren hinterlassen, und besonders "Fuck Forever" ist ein Song, wie es sie nur alle paar Jahre gibt: eingängig, zum Mitbrüllen gar, und doch brüchig, mit einem Umschlag der Stimmung, der einem noch beim wiederholten Hören das Herz stocken lässt. Ein echter Gänsehaut-Song eben. Aus dieser Kategorie finden wir auf "Down In Albion" noch so einige mehr, z.B. "The 32nd Of December" mit Petes ständig neben der Spur laufenden Vocals oder das zwischen wildem Punk und angedeutetem Reggae mehr auf Hab-Acht-Stellung stehende denn schwebende "Sticks And Stones". Auch "Pipedown" sollte sich zuverlässig zu einem steten Party-Smasher entwickeln, wenn nicht sogar zum geflügelten Wort.
Baby Shambles sind – wie die Libertines auch – verwurzelt in den Übungskellern der 1960er Gitarrenbands, im Punk, bei The Smiths – und dass "Down In Albion" ein Konzeptalbum um das ewige boy meets girl sein soll, nehme ich der Band nicht ab. Hier geht's doch auch um Politik, meine Herrschaften! Bzw. darum, dass das Private endlich wieder das Politische ist!
Einziger wirklicher Aussetzer ist "Pentonville", ein Dancehall-Ragga-Track, bei dem Doherty von einem gewissen General Santana unterstützt wird. Das hätte gut und gerne von einem betrunkenen Studiomitarbeiter aus Versehen gelöscht werden können, ohne dass die Welt Schaden genommen hätte. Man nimmt an, dass Doherty mit diesem völlig aus dem Bandkosmos fallenden Song irgendwas aus seiner Knastzeit in eben Pentonville wieder gutzumachen habe. Aber wir wollten ja nicht wieder ins Laubenpieper-Feuilleton, daher: abgehakt.
Produziert von Mick Jones (ex-The Clash) klingt "Down In Albion" so, als habe sich Pete Doherty nach einer durchzechten Nacht morgens um halb sechs mit seiner Band verabredet, um noch mal kurz Musikgeschichte zu schreiben – zwischen Klo und WG-Küchentisch. Damit sind Baby Shambles ganz weit weg von den überproduzierten Halbleichen des Pop. Und zwar genau in der richtigen Richtung. (Artikel zuerst erschienen beim Titel-Magazin, www.titel-forum.de) [tm: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a113893


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

http://schallplattenmann.de/artikel.html
Sprung zum Beginn der Seite

Suche im Archiv

Suche bei Amazon.de