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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #588 vom 23.06.2008
Rubrik Tipp der Woche

Sigur Rós "Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust"

Pop-Saga, Avantgarde-Exzentrik, Folk-Ästhetik & Neo-Klassik-'Thing'
(CD, LP; EMI)

Island, jenes rauhe Individualistenparadies im Nordatlantik, hat man bis vor einigen Jahren mit Heringen, Walfang, heißen Quellen, einer Sagen-haften Bilderbuchlandschaft und vielleicht dem Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness in Verbindung gebracht. Dann kam Punk auf die Insel und prallte als spannender Pop-Entwurf zurück in die Welt. Mal als hyperaktiver Springteufel Björk oder in Form der Triphop- und Dance-Konzeptionalisten GusGus, mal als Hitparaden-tauglicher Nordic-Surf-Rock von Bang Gang oder mit den schlauen Tüfteleien von Mùm – und schließlich Sigur Rós, die in ihrem sympathischen Ganzheitsanspruch Pop-Saga, Avantgarde-Exzentrik, Folk-Ästhetik und Neo-Klassik-'Thing' zusammenführen.
Sigur Rós' inzwischen fünftes Album "Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust" (mit Orchester, fünfköpfiger Bläsersektion und dem Amiina-Streichquartett) ist ein ergreifend fragiler Klangkörper, dessen einzelne Komponenten sich klar und anschaulich präsentieren, zusammen aber eine noch weitaus komplexere Struktur ergeben. Diese – im physikalischen wie lyrischen Sinne – nahtlos verdichtete Essenz, die sowohl knorrige Identität (Heimat), unerschöpfliche Rätsel (Sagas) und gefühlte Grenzenlosigkeit (Landschaft) beinhaltet, manifestiert sich für Nichtisländer weniger durch die Texte, als durch Melodien und Stimmmungen dieses sinnlichen Exkurses, die der musikalischen Landschaftsmalerei auf dem Album "Hvarf-Heim" (2007) und der DVD "Heima" ähneln.
"Gobbledigook", der Opener mit verspieltem Gesang, wirbelnder Perkussion und Akustikgitarren wird sich als der untypischste Song des Albums erweisen, "Fljótavik" mit Mellotron und Klavier als der sanfteste. Im entrückten Breitwandepos "Ára Bátur" begegnet man der London Sinfonietta, dem London Oratory Knabenchor und ganz am Horizont einer Erinnerung an "A Whiter Shade Of Pale". So etwas Prächtigem wie der liebevollen Gräser- und Wiesen-Elegie "Illgresi", der ergreifenden Hymne "Inni Mer Syngur Vitleysingur" (es geht um Himmel, Sterne und Riten) oder dem musikalischen Versprechen "Við Spilum Endalaust" begegnet man sonst leider viel zu selten.
Fazit: Ein in jeder Hinsicht herausragendes Werk einer Band, die es versteht, Grenzsteine der Avantgarde, Folk- und Popmusik nachhaltig zu versetzen.
Im September 2008 wird es "Með Suð í Eyrum Við Spilum Endalaust" übrigens auch als Deluxe-Edition in Buchform (192 Seiten) plus exklusiver DVD geben. [gw: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a117106


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http://schallplattenmann.de/artikel.html
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