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[ Inhalt ]Ausgabe #670 vom ..
Rubrik Neu erschienen

Edward Elgar · Various / Danish NSO, Mario Venzago · Sol Gabetta "Cello Concerto"

Klassik – der Klassik-Superstar mit einem der beliebtesten Cellokonzerte
(CD, lim. 2CD; RCA Red Seal)

Der englische Spätromantiker Edward Elgar (1857-1934) wird heutzutage zumeist auf wenige Stücke reduziert: den ersten Marsch aus "Pomp and Circumstance", op. 39, die "Enigma-Variationen", op. 36 und das Cellokonzert in e-Moll, op. 85. Letzteres ist untrennbar mit der epochalen Aufnahme von Jacqueline du Pré und dem London Symphony Orchestra unter John Barbirolli aus dem Jahr 1965 verbunden. Du Prés leidenschaftliches Spiel ist seit über 40 Jahren der Maßstab, an dem sich spätere Solisten messen lassen mussten. Nun liegt eine Neuaufnahme dieses wundervoll elegischen Werks mit der argentinischen Cellistin Sol Gabetta vor, der man zutraut, die Ausnahmestellung der du-Pré-Aufnahme ins Wackeln bringen zu können.
Ich muss zugeben, ich bin immer sehr skeptisch, wenn mit Hilfe der modernen Marketingmaschinerie Musiker aus dem Klassik-Bereich zu Popstars stilisiert werden. Optische Kriterien und das Werbebudget der Plattenfirma scheinen über das Wohl und Wehe eines Musikers zu entscheiden: Mag sein, dass die Klassik-Superstars wie Anna Netrebko, Lang Lang und Co. generelles Interesse für klassische Musik wecken und Hörer zur klassischen Musik führen, die sich sonst niemals damit beschäftigen würden, ihre künstlerische Leistung ist mir aber zu oft mittelmäßig. Wenn der Look oder der Trend über den Erfolg eines Künstlers entscheiden, der die Musik anderer interpretiert, wird es problematisch. Sol Gabetta ist zweifelsohne auch solch ein neuer Klassik-Superstar: Sie sieht gut aus, lässt sich vorteilhaft fotografieren, ist charmant in Interviews – aber sie ist eben auch eine verdammt gute Cellistin, die man nicht in einen Topf mit dem Blendwerk der Plattenindustrie stecken sollte.
Gabettas Interpretation von Elgars Cellokonzert ist leidenschaftlich, virtuos, aber erfreulich 'sachdienlich': Kein zusätzlich kapriziöses Spiel ist hier vonnöten, um als Solistin zu glänzen. Das Nationale Dänische Symphonieorchester unter Mario Venzago spielt gut, sicherlich fehlt ihm aber die Strahlkraft und Aura des LSO unter John Barbirolli, das in den 1960er Jahren seine beste Phase hatte. Dafür ist diese Neuaufnahme der analogen Aufnahme aus den 1960ern klanglich überlegen, wenn auch nicht in dem Maße, wie man es vermuten könnte. Interessant und facettenreich auch noch die 'Bonus-Tracks' von Antonín Dvořák, Ottorino Respighi und vor allem vom zeitgenössischen lettischen Komponisten Pēteris Vasks. Wenn es dann letzten Endes doch keine 'neue Referenz' geworden ist, so doch zumindest eine sehr gute Neuaufnahme, bei der die Gabetta auf Augenhöhe mit der du Pré musiziert.
Wer das Konzert noch nicht kennt oder noch nicht in der CD-Sammlung hat, kann getrost zur dieser exzellenten Aufnahme greifen; in meinem CD-Regal steht das Konzert nun zweimal. Und das ist auch gut so. [sal: @@@@]



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