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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #705 vom 14.03.2011
Rubrik Live - Musik spüren

Foto: TheNoise

Die Aeronauten, 4.3.2011, Fabriggli, Buchs (CH)

Hintersinnig-ironische Geschichten und fetzig-geschmeidige Musik: Die Aeronauten haben vorschriftsmäßig abgehoben

Vor 25 Jahren schon sei er im Fabriggli aufgetreten, erzählt Frontmann Oliver Maurmann, damals noch mit seinem Trio Freds Freunde. Dann lassen es die Aeronauten noch einmal krachen. Es ist bereits das zweite Zugaben-Set des Abends, sie spielen direkter, punkiger als zuvor und signalisieren damit: Diese Erinnerung an die Anfänge ist der Schlusspunkt eines Best-Of-Programms mit frühen, nach wie vor unverwünstlichen Stücken wie "Sexy Terrorist" und "Freundin" und aktuellen wie "Hallo Leidenschaft" und "Womunidure".
Die Aeronauten wollten zu ihren oft hintersinnig-ironischen Texten immer schon fetzig-geschmeidige Musik ohne stilistische Grenzen machen. Soulige Bläser gehören zum Standard, Anleihen an Ska und Country sind eine willkommene Abwechslung. Mittlerweile hat das Können den Willen zur Stilvielfalt annähernd eingeholt. Sie haben alle positiven Qualitäten einer Party-Band: Sie sind stilistisch abwechslungsreich, sie sind schmissig und sie verbreiten gute Laune. Weil sie aber nicht irgendwelche Gassenhauer nachspielen, sondern in ihren Texten eigenwillige Geschichten mit oft passend schräg phrasierten Reimen erzählen, spielen sie nur vor ein paar versprengten Fans.
Die Aeronauten starten ausgelassen und voller Bewegungsdrang – ganz so, als ob man sie schon lange nicht mehr auf die Bühne gelassen hätte. So sehen Menschen aus, die Spaß an der Arbeit haben. Matthias Hipp gibt den Faxenmacher (was immer dann in die Hosen geht, wenn er die Ansagen übernimmt), Samuel Hartmann den beseelten Gitarristen, und Oliver Mauermann übernimmt wie gewohnt die Rolle des Anti-Conférenciers. Er gibt dem Auftritt den Charme des Unperfekten. Eine durchgestylte Aeronauten-Show wäre ohnehin nicht glaubwürdig und würde wohl die Reputation untergraben.
Die Aeronauten haben vornehmlich treibende Stücke ausgesucht. Zwischendurch nehmen sie ein bisschen Tempo raus. Und wenn sie mal unfreiwillig ein wenig an Fahrt verlieren, fangen sie sich rasch wieder. Es findet sich immer mehr als Einer, der antreibt und mitreißt. Dass keiner tanzt, liegt nicht an den Aeronauten, sondern am Publikum. »Es sind viel mehr Männer hier als Frauen«, stellte Oliver Mauermann schon nach wenigen Stücken fest, »wir brauchen also nicht damit zu rechnen, dass heute Abend getanzt wird.« Die Aeronauten haben trotzdem vorschriftsmäßig abgehoben. [noi]


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