Hinweis: Ihr Browser unterstützt nicht alle grundlegenden Web-Standards, und deshalb sehen Sie diesen Hinweis und das Layout nur in Auszügen. Bitte verwenden Sie einen aktuelleren Browser.
So sieht die HTML-Version des Newsletters aus, natürlich ohne die Anzeigen. Die Mail ist ohne Grafiken oder sonstige externe Dateien gestaltet und deshalb auch off-line lesbar! Die Text-Version sieht im Vergleich schon etwas schlicht aus. Überzeugt? Einfach mal testweise abonnieren, wie es geht, steht hier.
Liebe Leserinnen und Leser,
da kommt der Winter einfach nochmal zurück, ist das nicht schön? Und ein Grund, eben nicht mit leichtsinnigen Frühlingsklamotten in Straßencafes zu sitzen, sondern schön muckelig daheim innerlich wärmender Musik zu lauschen. Da passt der Name unseres aus Dänemark stammenden Tipp der Woche ja ganz hervorragend.
Eine schöne, (vielleicht letzte) winterliche Woche! [mmh]
Indie-Rock – entschlackte Rückkehr
(CD; Columbia)
Man kann der dänischen Band Kashmir einen gewissen Eklektizismus vorwerfen, aber Radiohead rund um "OK Computer" (1997) sind ja keine schlechten Vorbilder. Und so sehr man "No Balance Palace" (2005) mag – wenn man das typische Kashmir-Feeling sucht, greift man doch zu "Good Life" (1999) oder "Zitilites" (2003) und nicht zu dem von Tony Visconti (u.a. David Bowie) zu üppig produzierten Nachfolger.
Insofern ist "Trespassers" der Schritt in die richtige Richtung. Die Band spielt ihre Stärken aus und liefert mit "Mouthful Of Wasps" oder "Still Boy" Songs, die sich auf Anhieb in den Kanon ihres Schaffens einreihen und so treffend den Weg vom Auffallen und Aufstehen musikalisch unterlegen.
Solange Kashmir auf diesem Niveau alle Erwartungshaltungen erfüllen, ist alles gut. [dmm: @@@@]
Pop – gefährliche Maus trifft Indie-Prediger
(CD, LP; J Records)
Es ist eine dieser unwahrscheinlichen Kombinationen: James Mercer, Sänger von The Shins, und Brian Burton aka Danger Mouse (u.a. Gnarls Barkley) arbeiten zusammen. Was soll das werden? Indie-Gitarren-Pop mit Knöpfchen? Eher mit Köpfchen. Die beiden legen sich keine Beschränkungen auf und kleistern die zehn Songs ihres Projekts Broken Bells munter zu, schaffen aber trotzdem eine Schnittmenge aus ihren beiden Welten. Es ist angenehm zu hören, wie sich Mercers sonst immer leicht pastorale Stimme in diesem Umfeld entfaltet. Die ersten drei Songs, insbesondere "The High Road", sind großartig und dass "Broken Bells" nicht durchgängig ein Meisterwerk geworden ist, ist nicht schlimm – erwachsene Popmusik in dieser Form gibt es definitiv zu wenig. [dmm: @@@]
World – Irish Folk trifft Mariachi vor historischem Hintergrund
(CD; Concord)
Mit Chieftains-Kopf Paddy Moloney und Ry Cooder haben sich zwei Musikhistoriker und Grenzgänger nicht erst suchen, sondern zwangsläufig finden müssen. Nach ersten Kollaborationen Mitte der 1990er Jahre (für die Grammy-dekorierten Alben "Long Black Veil", 1995, und "Santiago", 1996) ergab sich knapp 15 Jahre später eine weitere Gelegenheit anlässlich Moloneys jüngstem Vorhaben, ein fast vergessenes Kapitel der amerikanischen Geschichte musikalisch näher zu beleuchten: Die des überwiegend irisch-stämmigen San Patricio Batallions, das während des amerikanisch-mexikanischen Krieges 1846-48 die Fronten wechselte – sei es wegen der Diskriminierung durch protestantische U.S.-Offiziere oder ganz simpel aus pekuniären Gründen – und gemeinsam mit den katholischen Glaubensbrüdern aus Mexiko um Texas kämpfte.
Paddy Moloney (Uilleann Pipes, Tin Whistle) erweist sich einmal mehr als regelrechter 'Spürhund', der irisch-keltische Wurzeln auch in den scheinbar entlegensten Musikkulturen wittert und treffsicher zutage fördert; in Ry Cooder fand er den kongenialen Experten in Sachen Tex-Mex/Border Music und deren Einflüsse, die bis in seine Heimat Los Angeles reichen. Illustre Gäste wie Lila Downs, Linda Ronstadt, Chavela Vargas, die Ensembles Los Camperos de Valles, Los Cenzontles, Los Folkloristas, Los Tigres del Norte, der Galizier Carlos Núñez, Schauspieler Liam Neeson, Moya Brennan und Van Dyle Parks tragen zu dem crosskulturellen Musikprojekt bei, das sich – erwartungsgemäß kunstvoll und versiert umgesetzt – mit den Berührungspunkten zwischen Irish Folk und Mariachi auseinandersetzt. Wo in den Geschichtsbüchern höchstens Platz für die schwarz-weiße Betrachtungsweise 'Verräter für die Einen, Helden für die Anderen' bleibt, werden in der hier ausgegrabenen und versammelten Musik persönliche Schattierungen lebendig. Paddy Moloney: »In diesen Geschichten geht es weniger um Schlachten und Grenzen, als vielmehr um um so zeitlose Themen wie Liebe, Verlust und Träume von besseren Zeiten.« [bs: @@@]
Elektro-Rock aus Australien
(CD; Motor)
»We walk across that line«, singen die Dukes Of Windsor im Opener "No Disguise". Mit "It's A War" haben die Musiker auch eine Linie überschritten und zwar die zur unbedingten Professionalität. Der Wille zum Erfolg strömt quasi aus dem kompletten Werk.
Fulminant rockend und dabei herrlich kommerziell, gelingt es den fünf 'Dukes' vom ersten Track an zu zeigen, dass sie das Album im Griff haben. Unausweichlich hat das Album bald auch den Hörer im Griff; dabei wendet sich die 'Wir rocken, aber mit Elektro!'-Anmutung mit ihren Glam-Rock und Synthie-Pop Anleihen nicht unbedingt an den 'Exoten suchenden Gourmet', sondern eher an den Fan deftiger Kost. Trotzdem ist es hier gelungen, durch hitverdächtige Songs und eine gute Produktion auch den Hörer außerhalb der breiten Masse anzusprechen.
Es sollte für die Australier ein Leichtes sein, uns Europäer für sich zu gewinnen und an den Erfolg von 'Down Under' anzuknüpfen. [lp: @@@]
Die Pop-Oberkrainer steigen mit neuen Partnerinnen in den Ring
(CD; Blauzucker)
Es war eine spritzige Idee, Stücke aus dem Bereich der jazzigen Unterhaltung und des Pop im Oberkrainer-Kleid zu präsentieren. Der Erfolg mag angehalten haben, inhaltlich war das Pulver rasch verschossen, da die Variationsmöglichkeiten des ursprünglichen Konzepts doch begrenzt sind. Dann hatten Global Kryner eine weitere Idee: die Zusammenarbeit mit dem Trio Rounder Girls, die auch eigene Stücke einbringen. Das in Wien beheimatete Vokaltrio sorgt für einen Hauch Internationalität, da die 'schwarzen' Sängerinnen Kim Cooper und Lynne Kieran (früher Count Basic, Arbeiten mit Hubert von Goisern, Gloria Gaynor und Barry Manilow) aus New York (erstere) bzw. London (letztere) stammen. Und weil mit Tini Kainrath eine deutschsprachige Sängerin das Trio komplettiert, sind auch deutschsprachige Stücke wie der Schlager "Schnucki, ach Schnucki" (André Heller) oder "One Night Stand" möglich – doch, auch das ist laut Duden bereits deutsch, wenn auch hier nicht in der korrekten Schreibweise ;-).
Wie meist überzeugt die Band auch bei dieser Zusammenarbeit mit pfiffigen Songs. Die österreichische Gruppe hat mit der Adaption des Oberkrainer-Stils für Standards (und längst auch andere moderne sowie eigene Stücke) ihre eigene Klasse eröffnet; da sich in dieser bislang sonst niemand tummelt, sind sie zwangsläufig die Besten – wirken aber gleichermaßen auf selbst geschaffenem Terrain gefangen. [noi: @@]
World/Afrika/Mali – wieder eine Tuareg-Band
(CD; Glitterhouse)
Tinariwen konnten nicht nur mit für uns neuartig klingender Musik Interesse wecken, sondern auch mit der gut verkaufbaren Geschichte der Rebellen, die ihre Waffen gegen Instrumente eingetauscht haben. Opfer, Leid und Unterdrückung haben wohl auch der Musik zu verstärkter Aufmerksamkeit verholfen – und der Exotik der Nomaden verfällt man ohnehin leicht.
Tamikrest müssen ohne eine vergleichbare mediengerechte Geschichte auskommen. Doch sie profitieren vom Weg, den Tinariwen bereitet haben. In deren Fahrwasser bewegt sich auch ihre Musik. Man kennt, was Tamikrest bieten: ruhige Rhythmen, fließende Songs, einen Sänger mit rauer und wenig modulationsfähger Stimme sowie redundante, oft mehrstimmige Gesänge, wie sie auch für die Mandinke-Musik typisch sind. Eigenwillige Akzente setzen eindringliche Triller, wie man sie auch von den Gesängen der Dogon kennt.
Wer den Desert Blues von Tinariwen und Terakaft schätzt, findet hier eine passable Variante. [noi: @@]
Nett eklektizistischer Stilmix aus World, Jazz und Pop
(CD; Blue Note)
Sanft und rund und überwiegend dunkel ist die Musik von Hindi Zahra. Sie amalgamiert kunstfertig die unterschiedlichsten Elemente – Folk, Jazz, Chanson, Blues und anderweitig traditionelle – zu eingängigen Liedern. Sie hat bereits mit dem ersten Album einen eigenen Ton gefunden. Dass man durchaus Vorbilder hören kann, ist kein Widerspruch – sie nennt unter anderen Billie Holiday, an die man durch ihren sanften Gesang genauso erinnert werden kann wie an die eindeutiger im Jazz beheimatete Madeleine Peyroux (die allerdings ebenso auf 'Lady Day' referenziert). Seine Herkunft muss man nicht leugnen, und der Stilmix von Hindi Zahra bietet Assoziationsmöglichkeiten, die über ihre Vorbilder hinausreichen. Das düster-schmeichelnde "Don't Forget" etwa erinnert an Trip-Hop. "Beautiful Tango" wiederum ist kein Tango und auch nicht so akzentuiert. Das Stück klingt, als ob es ein vollkommen entspannter Manu Chao geschrieben hätte. Das war es dann aber auch an Gemeinsamkeit mit dem Franzosen. Die in Marokko geborene und in Frankreich lebende Musikerin spielt niemandem hinterher. Sie bedient sich offensichtlich dessen, was ihr gefällt und verbindet es auf angenehm eklektizistische Weise. [noi: @@@]
Der Titelsong des neuen Albums ist einfach der perfekte Opener. Dessen sind sich auch die Tindersticks bewusst und stellen den schwülen Wackler "Falling Down A Mountain" an den Anfang ihres aktuellen Live-Sets. Überhaupt ziehen die sieben Musiker keine Best-Of-Show ab, der Schwerpunkt liegt klar auf dem neuen Album. Aber egal, ob alt oder neu – live fällt immer wieder auf, wie sehr die Songs um die Stimme von Stuart Staples gebaut sind. Aber auch wenn der Meister verstummt, hört die Begeisterung nicht auf. Die Tindersticks sind fantastisch eingespielt und die klare Präzision des Spiels überdeckt, dass auch die ein oder andere Komposition dabei ist, die wahrscheinlich nicht für die Ewigkeit halten wird.
Es ist faszinierend zu beobachten, wie Staples immer das Gefühl vermittelt, er agiere knapp unter seiner Würde. Die Tindersticks dürften zu den wenigen Bands gehören, bei denen der Sänger die Songs anzählt und nicht der Drummer. Erst wenn Staples ganz am Ende des Konzerts ein paar Wörter mehr als »Thank You« sagt, fällt auf wie unsicher er auf der Bühne ist. Was man als dandyeske Arroganz fehldeuten könnte, wirkt auf einmal nur noch wie ein Schutzschild, das einen großartigen musikalischen Auftritt am Ende noch sehr sympathisch macht. [dmm]
Abonnieren? Wie es geht, steht hier.