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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #723 vom 06.04.2012
Rubrik Neu erschienen

Kai Degenhardt "Näher als sie scheinen"

Liedermacher – Das Erbe aktuell interpretiert
(CD; Plattenbau)

Kai Degenhardt wird immer besser. "Näher als sie scheinen" ist mittlerweile sein fünftes Solo-Album und es ist wohl auch sein bestes. Es führt den Weg fort, den Degenhardt bereits mit "Weiter draußen" konsequent eingeschlagen hat. Kai Degenhardt hält – wie auch Bruder Jan auf seine Weise – die Liedermacher-Tradition der Familie hoch. Auf ganz eigene Art und dennoch ist natürlich zu spüren, wessen Sohn er ist, für wen er seit dem Ende der 1980er Jahre die Arrangements gemacht und wen er an der Gitarre begleitet hat. Nach dem Tod von Franz Josef Degenhardt im vergangenen November ist es so zumindest etwas tröstlich, wenn jemand so nahtlos und selbstverständlich den Stab übernommen hat und die deutsche Geschichte und Gegenwart im Lied weiter erzählt.
Zwar drängt sich der Vergleich mit dem Vater auf, aber Kai Degenhardt geht mit dem Erbe souverän um. Mittlerweile ist er selbst schließlich ein gestandener Künstler und schreibt unglaublich treffende Lieder über den aktuellen Stand des Kapitalismus, dem 'der letzte Tritt' fehlt: »vor dem Abgrund, nur noch ein Schritt/ vorwärts und dann ist's zu Ende,/ nehmen die Dinge jetzt in unsere Hände...«. Seine Lieder beschäftigen sich aber auch gerne – ebenso wie beim Vater – mit den Außenseitern, den Losern und dem Alltag. Immer zeigt sich dabei der Irrsinn der Gegenwart am konkreten Beispiel.
Dabei hat Degenhardt eine besondere Art gefunden, den Alltag auch auf CD zu bannen: Er hat jede Menge Geräusche aufgenommen, die sich nun als Samples neben vielen Gitarren, Klavier, Bass und Melodica auf dem Album wiederfinden. Wie sein Vater macht auch Kai Degenhardt nebenbei ein paar historische Ausflüge – diesmal zur Novemberrevolution 1918 in Deutschland – und schließt das Werk mit einem Opus ab, das allein sein Geld wert ist. Was er in die 18:23 Minuten "Unwetter in blau" (mit Goetz Steeger am Klavier), einer Art Reportage von einer Zwangsversteigerung des Hab und Guts eines gescheiterten Spekulanten, alles hineinpackt, das ist schon gradios. Da ist es auch nicht schlimm, dass seine Stimme über das ganze Album hinweg etwas flach und wenig variabel klingt. Die Texte und die ebenso sparsame wie treffende Instrumentierung machen alles wieder wett. [hb: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a119857


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