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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #247 vom 11.06.2001
Rubrik Neu erschienen

J.J. Cale "Live"

Der grosse Schweiger aus Tulsa – live und gut wie immer
(CD; Virgin)

Da sitzt er vor seinem "Globe Trotter"-Wohnwagen und schaut nur verschmitzt drein. Er wirkt so richtig beschäftigt, sich dem Nichtstun hinzugeben. Hört den Geräuschen der Umgebung zu, aber eigentlich ist er nur zu faul, die Gitarre zu holen. "Dabei", so erzählte J.J. Cale in einem seiner raren Interviews, nachdem er sich eine neue Martin gekauft hatte, "inspiriert mich eine gute Gitarre sehr. Mit der Martin schrieb ich acht Songs an einem Tag...". Aber das ist schon ein Weilchen her, 1994 war das. Im wesentlichen bestimmt Reduktion sein Leben. 12 Studio-Alben seit seinem ersten (1972), wenn's viel ist 50 Konzerte pro Jahr. Er zog sich von Beginn an aus dem wahnwitzig-unwirklichen Rock-Business zurück, ließ lieber andere durch seine Songs Stars spielen und lächelt vermutlich still in sich hinein, wenn er seine Imitatoren und Plagiatoren hört. Und wenn er schon mal ein Album rausbringt, dann heißt es "Naturally", "Really", "Okie", "Troubadour", "Shades", "Grasshopper" und manchmal gar nur "5", "8", "10". Ihr merkt schon, der Mann hält vermutlich nix von vielen Worten. Der Schweiger von Tulsa ist also so richtig unspektakulär und dabei doch verantwortlich für Songs wie "After Midnight" und "Cocaine", die vermutlich jeder kennt, aber meistens mit anderen assoziiert werden. Zum Beispiel mit Eric Clapton (der auf die Frage, welcher Musiker er denn sein wollte, hätte er die Wahl, ohne zu zögern J.J. Cale nannte). Oder mit Mark Knopfler, der wie eine schlechte Raubkopie von Cale klingt. Freilich, und die zwei wissen es auch, sie kommen an ihn nicht heran. Er ist der Architekt, die beiden bloß gute Maurer.
Der Aktualität halber muss jetzt natürlich auch erwähnt werden, dass es ein "neues" J.J. Cale-Album gibt, ein Live-Album noch dazu, sein erstes Live-Album überhaupt. Ein Sammelsurium aus 14 Bruchstücken, aufgenommen während einiger Konzerte zwischen 1990 und 1996. Seine drei berühmtesten Songs, "After Midnight", "Cocaine" und "Call Me The Breeze", dürfen da logischerweise nicht fehlen. Jetzt muss ganz geschwind ein arg strapazierter Begriff her, der bei Cale aber gut aufgehoben ist: Genial. Genial seine zarten Farbtupfer in "Sensitive Kind", seine Dominanz in "Humdinger" und, aber ja!, das Sich-gehen-lassen in "Mama Don't". Da kommt euphorische Stimmung auf, wenn er gemeinsam mit Christine Lakeland "Money Talks" intoniert oder wenn er seine reduktionistischen Formeln in "Thirteen Days" oder "Magnolia" auslebt. Christine Lakeland übrigens machte vermutlich allen Cale-ianern den Mund wässrig, als sie einmal meinte, "schön und gut, wie er im Konzert spielt und wie seine Platten klingen. Aber sie müssten ihn einmal hören, wenn er vor seinem Wohnwagen spielt..." Aber okay, nachdem uns das nicht vergönnt ist, bleiben wir halt in aller Bescheidenheit froh, dass es "J.J.Cale live" gibt. Mehr durften wir ja nun wirklich nicht erwarten... [mh: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a107061


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