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[ Inhalt ]Ausgabe #473 vom ..
Rubrik Feature

"Mein Leben ist uninteressant"

Kempinski Hotel Berlin: Ray Davies stellt sein Album vor

In den Kampf um goldene oder silberne Bären griff Ray Davies nicht ein. Dazu fehlte ihm schon das Kino. Aber einen Film zeigte er. Da wegen der Berlinale keine Kinos in Berlin zu finden waren, wich die Plattenfirma in einen gediegenen Rahmen aus. Die Bar des Hotel Kempinski am Kurfürstendamm war ein guter Ort, an dem Davies einen Film vorführen und ein paar neue Songs spielen konnte. Aber Davies wäre nicht Davies, wenn er im herkömmlichen Rahmen gebleiben wäre. Bei ihm gibt es nicht eins nach dem anderen sondern beides ineinander verschränkt. Schon in seiner 'unauthorisierten Autobiographie' "X-Ray" hat Davies ähnlich gearbeitet. Das funktioniert dann so gut, dass man ihm sogar den Ausspruch "Mein Leben ist uninteressant" abnimmt – als Begründung, warum er angeblich nur über andere schreibe, wie der Titel des ersten Solo-Albums sagt ("Other People's Lives").
Aber natürlich ist es vor allem Show. Eine sehr gute zudem, die viel Wahrheit enthält. Und vieles weglässt. Da das keiner sieht, ist der Film wohl die beste Art, sich der Presse zu präsentieren und unbequeme Fragen zu vermeiden.
Davies gelingt das fast perfekt. Seit Anfang der 1970er Jahre hat er meist eine Kamera dabei und gelegentlich zeigt er Teile seiner Aufnahmen einem ausgewählten Publikum. So bei der Promotion des Albums. Davies beginnt den Abend mit ein paar (den letzten) Takten von "Waterloo Sunset", widmet sich dann aber seinen neuen Songs. Alte Kinks-Titel sind nur im Film zu hören. Der startet in England, nachdem Davies zuvor auf einem Barhocker sitzend einen seiner neueren britischen Songs "Yours Truly Confused N10" zum Besten gegeben hat. Etwas verwirrt will der gute Davies zum Start des langwierigen Solo-Projekts auch gewesen sein. "Mein ganzes erwachsenes Leben war ich bei den Kinks," sagt er, "ich dachte, es wird einfach." Es wurde alles viel schwieriger.
Davies nahm Demos auf. Drei davon gibt es im Film zu hören, aber nicht auf dem Album. Viele von denen, die er nun der Öffentlichkeit übergibt, spielt er an diesem Abend mit Gitarrist Mark Johns. Akustisch entfalten sich Stücke wie der Titelsong oder "The Tourist" neu, zeugen davon, dass hinter dem komplexen Arrangement des Albums viel Songschreiberqualität steht. Die Songs werden immer wieder unterbrochen durch den Film. Zunächst spielt dieser in England, dann in den USA – die neue Inspirationsquelle für Davies. Er sei leer gewesen, brauchte etwas Neues, sagt er. Deswegen habe es acht Jahre gedauert.
Beeindruckend dabei das Tourtagebuch aus dem Herbst 2001, als Davies mit dem Auto durch die Staaten reist – Flugzeuge waren kaum zu bekommen – und sich immer wieder selbst im Hotel aufnimmt. Kommentare zum Tagesgeschehen: 11. September, Afghanistan. Dann New Orleans, Mardi Gras und Marching Bands. Schließlich die Schussverletzung im Januar 2004, nachdem er einen Handtaschenräuber verfolgt hatte. Davies zeigt sich zehn Tage später im Bett und später mit Krücken auf einer typischen Veranda in New Orleans. Mit dem Film-Abspann setzen der Meister selbst und Johns zu einem der stärksten Songs des neuen Werks an: "After The Fall".
Danach noch einige Fragen. Nein, nichts zu den Kinks. Das neue Team sei gut, einige Starmusiker hätten Schlange gestanden, aber das überlasse er lieber Tom Jones. Generell werde das Musik-Business dominiert von den 'Corporations'. Das zumindest nimmt ihm jeder ab. Er plane ein Projekt in New Orleans. Mit Marching Bands und neuen Songs. Sagt aber nicht wann. Er weiß, dass ihm keiner 'kommendes Jahr' abgenommen hätte.
PS: Am 26.4.2006 stellt Davies seine neuen Songs in der Hamburger Musikhalle vor. [hb]


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