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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #625 vom 20.04.2009
Rubrik Tipp der Woche

J.J. Cale "Roll On"

Laid-back Country-Blues aus Tulsa/Oklahoma – was sonst? Rezension im Dialog
(CD, LP; Because)

vw: J.J. Cale ist stolze 70 Jahre alt. Er war einer der ersten, die Blues, Jazz und Country vermengten. Mit Songs wie "After Midnight", "Cocaine", "Magnolia", "Call Me The Breeze", "Travelin' Light", "Sensitive Kind" und vielen mehr ist der Eigenbrötler heute einer der einflussreichsten Komponisten des Pop. Jetzt hat er mit "Roll On" sein 14. Album veröffentlicht. Und ich freue mich, dass es origineller ausfiel als der Vorgänger "Road To Escondido" mit seinem Bewunderer Eric Clapton. Was hältst du von "Roll On"?
bs: Über "Road To Escondido" sagt Cale selber, dass Clapton ihn lockte eines seiner Alben zu produzieren, was sich schließlich zur gemeinsamen Scheibe auswuchs. Der Sound wurde dann von Claptons Produzent Simon Climie zu glatt poliert und laufend musste einer der faktisch zu vielen Gitarristen gniedeln: Neben den Protagonisten waren noch Doyle Bramhall II, Albert Lee, John Mayer und Derek Trucks mit von der Partie – das halbe Crossroads Guitar Festival quasi auf eine Scheibe komprimiert... Auf "Roll On" tun J.J. Cale und seine Uralt-Buddies ihr Ding wieder wesentlich erdiger, luftiger und relaxter; Clapton fungiert auf dem Titelsong als Popularitäts-mehrender Gast-Gitarrist, hält sich aber dezent im Hintergrund. Überhaupt klingt Cales Studioalbum #14 anachronistisch nach Mitte der 1970er. "Cherry Street" könnte auch "Call Me The Breeze Pt. 2" heißen, und das ist gut so. Musik wie das Leben, ein langer, ruhiger Fluss, immer weiter rollen...
vw: Der Fluss der Cale'schen Gelassenheit wirkt auf manche wie starrende Langeweile. Ich kann diejenigen verstehen, die bei "Roll On" toben und meinen, dass Cale schon vor 30 Jahren seine Songstrukturen selbst kopiert hat und keine neuen Licks mehr liefert, ja und seinen Gesang auch nie variiert hat. Auf mich wirkt genau das wie Medizin: Die entspannten Fünfton-Gitarrenlicks, der flüsternde Gesang, manchmal gedoppelt, die simplen Songstrukturen. Und hören wir genau hin: Zwischen jazzig ("Who Knew") und Country ("Leaving In The Morning") variiert Cale sehr zart. Und eben auch auf "Roll On" verblüffend originell. Es gibt nach rund 40 Jahren keinen Zweiten wie ihn. Ich könnte seine Musik ohne Pause laufen lassen. Einen Lieblingssong habe ich dennoch: "Mo Jo" auf seinem Album "Really" von 1972.
bs: "Roll On" erinnert überhaupt an "Really": unprätentiöser Sound, hinter dem aber sicherlich jede Menge harte Arbeit und das geradezu magische Getüftel des gelernten Toningenieurs J.J. Cale steckt. Keine offensichtlichen 'Hits'. Jeder Song aber trägt zum originellen Flow des Albums bei. Und zu etwaigen Krittlern: Keiner wirft Originatoren wie beispielsweise B.B. King vor, dass sie immer nur ihr Ding machten – und in diese, leider aussterbende Liga gehört Cale.
vw: Mein Lieblingssong auf "Roll On" nach fünfmaligem Hören ist "Strange Days". Cale fragt sich hier, ob er sein früheres Leben, das ihm im Rückblick bizarr erscheint, noch einmal so leben könnte. Welchen Song magst du am meisten?
bs: Selbst nach wiederholten Hördurchgängen fällt mir die Entscheidung für einen absoluten Favoriten schwer, aber ich liebe schon allein wie "Who Knew" lässig jazzig in diese Scheibe hineinführt, die auf ganz unaufdringliche Art und Weise Hörer bis zum Schlussvorhang bei der Stange hält. Und es muss nicht immer Clapton sein: Neulich hat Mr. Cale in Seattle gespielt und Mike Campbell, der Gitarrist von Tom Pettys Hearbreakers, jammte das gesamte Set inklusive Zugaben mit – da wäre ich gerne dabeigewesen. [vw/bs: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


URL: http://schallplattenmann.de/a117899


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