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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #159 vom 25.07.1999
Rubrik Tipp der Woche

Randy Newman "Bad Love"

Singer/Songwriter – Newman at his best!
(CD; Dreamworks)

"Let's go back to yesterday/When a phone call cost a dime/In New Orleans, just a nickel..." Willkommen bei der Meisterschaft, wer denn nun das beste Album knapp vor Y2K veröffentlicht! Diesmal handelt es sich um einen Brillenträger, der uns vom Cover mit diesem seltsam-vorwurfsvollen Blick anstiert, als wolle er uns erklären, daß Karl Marx froh sein kann, tot zu sein, so wie er froh sei, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu leben. Schließlich ist es ja auch sein Land, seine Leute, die Welt, die er versteht, "...And much as I love them/I'm always kind of glad when they go away...". Dieser seltsame Blick vom Cover könnte aber auch ein selbstzweifelnder sein, denn: "...Everything I write all sounds the same/Each record that I'm making/Is like a record that I've made", was auch und nicht nur an Neil Young erinnert ("Year Of The Horse" beginnt ja bekanntlich mit dem Zuruf aus dem Publikum "They all sound the same!" Neil erwiderte lapidar: "It's just one song!"). Randy Newman geht aber noch einen Schritt weiter, denn er hängt ein drastisches "just not as good" an.
Die Musik ist, im Gegensatz zu den Texten, alt wie unser Jahrhundert, vielleicht sogar noch älter und klingt dennoch oder deshalb um vieles frischer als all die Musik der Hype-Figürchen mit dauerrotierendem Airplay. Mitchell Froom, der Produzent, großkalibrig wie Joe Boyd, Daniel Lanois und Rick Rubin, wußte anscheinend sehr genau, wie er mit Randy Newman umzugehen hatte. Die Orchestrierung, die Bläsersätze und eben auch die hervorragende Band (Pete Thomas, dr, Steve Donnelly, g, Gregory Cohen, b, Mitchell Froom, keys, Gregory Leisz, pedal steel-g) bieten ein breites Spektrum: von chaplinesk anmutender Musik, zu der eigentlich nur noch der Film fehlt, zu Rumba ("Better Off Dead"), von der großen Country-Sehnsucht ("Big Hat, No Cattle") bis hin zum Marsch (im grandiosen "The Great Nations Of Europe") und triefend-traurigem Kitsch ("I Miss You"). Und eben dieser Blick vom Cover (wir kennen ihn von den wirklich großen Künstlern dieses Jahrhunderts): nach vorne gerichtet, nur nicht zurück – don't look back!
PS: Der neue Hörstoff von Randy Newman bietet die ideale Gelegenheit, auf den musikalischen Vater der Ironie hinzuweisen, der sich leider frühzeitig vom Bühnenleben verabschiedete: Tom Lehrer. Sein Abschiedswerk "That Was The Year That Was" (1965) ist ein bis heute viel zu wenig beachteter Meilenstein der Musikgeschichte! [mh: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a103852


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